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Resonanzboden, die Musik im Instrument.

Resonanzboden 01Der Resonanzboden, das klingende Instrument eines Flügels, unterliegt einem stetigen Alterungsprozess. Dabei verändert sich das Holz, sodass dieses mit hohem Alter steifer, dichter und elastischer wird. Eigenschaften die den Klang verändern. Holz alter Resonanzböden vermag so eine einzigartige Klangfülle und Tonfeinheit zu produzieren.
Durch den Alterungsprozess verliert der Resonanzboden leider auch an Spannung, welche maßgeblich die Dynamik steuert und den Obertonaufbau beeinflusst. Alte Flügel haben so zwar oft einen schönen romantischen Klang, sind jedoch nicht mehr ausreichend konzertant. Um beim Restaurieren der Flügel die Klangkraft und Dynamik zu regenerieren, muss die Wölbung und damit die Spannung des Resonanzbodens wieder hergestellt werden.
Der ursprünglich gewölbte Boden zeigt letztlich durch mehr oder weniger stark ausgeprägte Risse, dass die Wölbung durch den natürlichen Schwund im Holz gänzlich verbraucht ist. Die Risse allein stellen so kein Qualitätsunterschied da, denn die meiste Spannung ist bereits deutlich früher verloren gegangen. Es ist dabei klar, dass dieser Alterungsprozess bei jungem Holz anfangs deutlich schneller und später kaum noch spürbar ist. Wird ein alter Resonanzboden wieder in Stand gesetzt, so kann anschließend von einer deutlich verbesserten Klangstabilität ausgegangen werden.
Zur Spannung selbst sei angemerkt, dass es verschiedene Techniken zur Wölbung gibt, die ein Anpassen der Dynamik ermöglichen. Ledigliches Füllen der entstandenen Risse ist dabei nicht ausreichend.

Der Stimmstock

Stimmstock 04

20 Tonnen brauchen ein festes Fundament.

Der Stimmstock, ein Hartholz, welches unter der Gussplatte sitzt und die Saiten auf Spannung hält, gibt den Wirbeln und somit den Saiten ein festes Fundament. Die Zugspannung der Saiten beträgt mit unter 20 Tonnen und mehr. Dieser ist nicht jeder Stimmstock auf Dauer gewachsen. Oftmals ist es ausreichend, den Stimmstock zu restaurieren. Ist dieser jedoch zu stark in Mitleidenschaft gezogen, wird er ersetzt. Ein Holz, welches eine gute Kombination aus Härte und Zähigkeit aufweist, ist Bergahorn. Dieser wird in verschiedenen Schichten über Kreuz verleimt, um den Stimmwirbeln einen möglichst festen Sitz zu geben. Da der Stimmstock unter der Gussplatte sitzt und zum Teil ins Gehäuse eingebaut wird, ist die Instandsetzung mit viel Arbeit verbunden. Da bei den meisten alten Flügeln die Stimmhaltung nicht mehr gewährt werden kann, sind diese Restaurierungsarbeiten fast unvermeidbar. Durch den tiefen Eingriff und der kompletten Demontage der akustischen Anlage wird in der Regel neben dem Stimmstock auch der Resonanzboden restauriert. Saiten und Stimmwirbel müssen dabei ohnehin ausgetauscht werden.

Gussplatte bronzieren,

25etwas verstaubt aber noch nicht verschwunden.

Die traditionelle Oberflächenbehandlung der Gussplatte ist das Bronzieren. Heute werden hierfür Bronzepulver in Lack verrührt und aufgesprüht. Wie dies vor 100 Jahren gemacht wurde, ist nicht ganz klar. Die Optik einer alten Bronzierung ist weniger diffus als die heutigen. Das einfallende Licht wird etwas gerichteter reflektiert und erinnert etwas an eine Blattvergoldung. Da ohnehin jeder Hersteller hierfür etwas andere Techniken verwendete, fällt es heute sehr schwer vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Nach der Recherche in etlichen verstaubten und nur noch antiquarisch erhältlichen Büchern zur Lackierkunst und Vergoldung, haben wir einige Hinweise für eine historische Bronzierung gefunden. Hierbei werden verschiedene Bronzepulver auf die Gussplatte aufgestäubt. Dabei entsteht ein Metalleffekt, der so mit den heute üblichen Lackierverfahren nicht möglich ist. Aufgebracht wird die Bronzierung auf einen Ocker-, Asphalt- oder Gipsgrund, der auf das raue Gusseisen gespachtelt wird. Spezielle Lacke bilden anschließend einen Schutzfilm, sodass die Bronzen nicht oxidieren.
Glücklicherweise sind die meisten Materialien für eine solche Bronzierung noch erhältlich. Doch der Trend hin zu großer Massenproduktion wird in den nächsten Jahren die Vielfalt wohl schmälern.

Gehäuse: Möbel und/oder Klangkörper?

33Die alte Kunst des Lackierens und Polierens verleiht dem Flügel seine unvergleichbare Eleganz. Ausgeklügelte Formen schaffen ein ausgewogenes Bild, welches mit hohem Wiedererkennungswert den einzelnen Herstellern und der Zeitepoche des ausgehenden 19 Jhd. Zeugnis trägt. Die natürlichen Harze aus denen nach traditionellen Verfahren Lacke hergestellt werden, verbinden sich so innig mit dem Holz, dass ein unvergleichbar tiefes Farbbild erzeugt. Zudem sind derartige Lacke immer wieder lösbar und restaurierbar.
Doch wie verhält es sich mit dem Klang? Ist nicht nur der Resonanzboden klangabstrahlendes Instrument? Nun wird es komplizierter. Erstens gibt es je nach Hersteller verschiedenen Konzepte, das Gehäuse zu formen und zweitens hängt der Resonanzboden nun mal am Gehäuse. Ein gerade heute weitverbreitetes Gehäusekonzept ist, dieses möglichst steif zu gestalten, sodass möglichst wenig Energie aus dem Resonanzboden in Raste und Rim abfließen. In diesem Fall sind die dann auftretenden Gehäusemoden so klein, dass man diese vernachlässigt. Hierbei ist das Gehäuse aber immer noch Energieabsorber, denn ein Teil der Energie wird immer absorbiert. Eine Eigenart dieser Konstruktion ist das starke Anfangsvolumen des Tons direkt nach dem Anschlag.
Andere Gehäusekonzepte lassen durch etwas dünnere Balken- und Rimformen oder rastenlose Gehäuse, mehr oder weniger bewusst, das Gehäuse mitschwingen. Dabei entstehen wieder Eigencharakter und Wiedererkennungswerte. Der Energiefluss ist hier schwieriger zu steuern. Wichtig ist dabei, dass das Gehäuse dennoch möglichst wenig Energie dissipiert z.B. durch dicken Polyester-Lack, denn die Energie fließt ja auch wieder zurück in den Resonanzboden.

Ein Spielwerk

mechanik 6aus Mechanik, Klaviatur und Dämpfung

Mechanik, Tasten und Dämpfung bilden ein zusammenhängendes dynamisches System, das Spielwerk. Dieses gewährt dem Pianisten die Kontrolle über die akustische Anlage.
Meist sind die Spielwerke, trotz jahrzehntelangem Gebrauch, nach ihrer Restaurierung wieder komplett funktionstüchtig. Bemerkenswert ist, dass gute Mechaniken nach dieser langen Zeit immer noch kleinere Toleranzen aufweisen, als die neu produzierten.
Alte Flügel variieren, aufgrund ihrer verschiedenen Mechaniktypen und deren unterschiedlichen Hebelverhältnisse, wesentlich in ihrer Spielweise. Diese vorteilhafte Variationsbreite bleibt bei der Restaurierung erhalten.
Der Hammer bildet dabei das Verbindungsglied zwischen Mechanik und Akustik. Neben der präzisen Regulation der Mechanik entscheidet die Qualität des Hammers über den Klangcharakter, der schließlich aus dem Repertoire der Akustik ausgewählt wird.

Schellack-Handpolitur

schellack 013Beim Schellackpolieren wird mittels eines Ballens mit jedem „Überwischen" eine hauchdünne Lackschicht erzeugt. Nach anfänglichem Porenfüllen, wofür dem Schellack etwas Bimsstein zugesetzt wurde, wird das Holz nur gerade so lange poliert, bis es eben zu glänzen beginnt. Es erscheint dann so, als ob das Holz selbst anfängt zu glänzen. Diese Technik verleiht der Oberfläche die edelste aller Erscheinungsformen, da der Lack selbst dabei in den Hintergrund tritt. Sämtliche Formen, die dem Holz angedacht sind, bleiben dabei erhalten. Die Haltbarkeit einer solchen Politur ist nicht unerheblich, denn das Bimsteinpulver verhilft der Holzfläche zu großer Härte

Lacke aus Naturharz gelöst in Alkohol

lack 08Überall dort wo das Polieren nicht möglich oder nicht sinnig ist, gibt es eine Vielzahl an historischen Lackrezepten, die dafür gute Dienste leisten. So wird ein Schellack durch den Zusatz von ätherischen Ölen streichbar. Einem Resonanzboden gibt ein Kolophoniumlack seit jeher besten Schutz.

Bewährte Materialien und Techniken

faerben 02Viel Wissen aus den alten Handwerken ist verschüttet. Dadurch hat sich die Vielfalt stark reduziert. Mit hohem Aufwand ist es jedoch möglich vergleichbare Ergebnisse und Techniken zu regenerieren. Das Mischen von besonderen Lacken oder das Färben von Filzen gehören ebenso dazu, wie das Bronzieren nach alter Tradition.
Dabei ergibt sich hieraus ein doppelter Nutzen. Einmal ist es rein optisch eine Augenweide, die Dinge so zu sehen, wie sie einst aussahen, zum Anderen waren die alten Techniken auf Funktion optimiert und nicht wie heute vielfach nur auf die wirtschaftliche Ausbeute.